Undivided: Encounters with America
Transcript: Dr. Peter Hartmann
Dr. Hartmann was responsible for foreign art exhibitions at the GDRs Center for Art Exhibitions (Zentrum für Kunstausstellungen in der DDR)
Berlin, October 16, 2009
Hartmann über seine Verbindungen zur US-Botschaft in Ostberlin Video
Also, es gab ja bis zum Beginn der Arbeit der US-Botschaft in der damaligen Hauptstadt der DDR, Berlin, weder ein Kulturabkommen noch kulturelle Beziehungen, die auf staatlicher Ebene liefen. Ich war seit ‘75 im Zentrum für Kunstaustellungen der DDR tätig und war praktisch verantwortlich als Importchef für 90% aller Ausstellungen, die aus dem Ausland in die DDR einreisten. Mit Eröffnung der US-Botschaft gab es natürlich aus internationalem Interesse der DDR den Wunsch, auch aus den USA Ausstellungen zu bekommen. Natürlich war dieser Wunsch sehr kompliziert zu erfüllen, weil die Kunst der USA -offizielle Kunst- ich sag einfach Namen: Keith Haring, Andy Warhol, Robert Rauschenberg, stimmte ja absolut nicht mit der Linie der DDR-Kulturpolitik überein, sodass man also versuchte, etwas Unverfängliches zu machen und dann kam es, ohne ein Kulturabkommen, das auch nie unterzeichnet wurde in der ganzen Zeit bis zum Ende der DDR, gab es aber die erste Ausstellung und das war eine Ausstellung „Tanz in den USA", Eine Fotoausstellung auf großen Tafeln, wunderbar schöne Farbfotos, es wurden verschiedene Studios, verschiedene Tänzer vorgestellt, das war also die allererste offizielle Ausstellung der Vereinigten Staaten von Nordamerika in der Deutschen Demokratischen Republik. Ungeheuer kompliziert zu veranstalten war natürlich diese Berührungsängste von Seiten des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und der Kulturpolitik, trotz dieses Thema, das also politisch denkbarst unverfänglich war, sehr groß war, diese Ängste. Das war der Beginn der Zusammenarbeit. Ich hab dann im Laufe der Jahre alle Ausstellungen, also in Berlin, organisiert. Einmal in der Neuen Berliner Galerie, deren Direktor ich war, dann auch in der Alten Nationalgalerie, in der Fotogalerie am Helsingforser Platz, ist heute Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg und auch in anderen Städten der DDR, also z.B. in Rostock und in Greifswald, kann ich mich erinnern. Und ich hab gerad in der Akademie der Künste ein Buch gefunden - ein Freund von mir arbeitet dort - da gibt's einen ganz kleinen Teil „Die kulturelle Zusammenarbeit USA- DDR", sehr interessant eigentlich, aber etwas Geschwafel. Ein Punkt ist aber ganz wichtig, dass ich gar nicht mehr wusste, dass ich in Jena auch eine USA-Ausstellung noch organisiert habe, das war „Nordamerikanische Landschaften". Ja, so war der Beginn und durch diese Arbeit lernte ich natürlich auch die Verantwortlichen in der US-Botschaft kennen, also die Kulturattaches oder die Botschaftsräte für Kultur, welchen diplomatischen Rang sie auch immer hatten und wir arbeiteten eigentlich sehr gut zusammen, sehr vertrauensvoll zusammen, aber - auch ohne Probleme, also jetzt zwischen den Vertretern der Botschaft und mir überhaupt keine Probleme - was natürlich hinter den Kulissen lief, in den Verhandlungen zwischen der Botschaft und dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, das weiss ich nicht.
Über seine Beziehungen zum Kulturattaché Peter Claussen Video
Also mit Peter Claussen hab ich eigentlich den Kontakt so bekommen wie mit allen anderen Kulturattachés auch, indem das Außenministerium mir - und das war ja immerhin wichtig - die Erlaubnis gab, als DDR-Bürger die US-Botschaft betreten zu dürfen. Das Reinkommen war ja nie so schwierig, nur das Rauskommen war immer ein Problem, wenn man auf der Straße war, miteinmal dann wurde man schon kontrolliert. Es war ein Stück von der Botschaft entfernt, aber man wurde kontrolliert von den Polizisten, von den sogenannten Volkspolizisten. Gut, ok. Ich wurde in die Botschaft eingeladen, der Peter Claussen stellte mir die nächste Ausstellung vor, ich weiss jetzt leider nicht mehr, welche das war. Ich hab versucht zu Hause nochmal meine alten Unterlagen durchzuschauen, aber ich krieg die Folge einfach jetzt nach 20, 22, 24, 25 Jahren fast nicht mehr hin. Also, es war aber ein Kontakt, wir trafen uns so wie wir beide jetzt hier in den Räumen der damaligen Botschaft in der Neustädtischen Kirchstr. , haben gesprochen, haben alles vereinbart, also Transport, Zoll, Eröffnung, Pressekonferenz - also es war eine denkbarst normale Zusammenarbeit, wir haben uns dann auch - ich muss mal sagen - etwas angefreundet in dieser Zeit, haben uns auch gegenseitig privat besucht und das war eigentlich alles ganz schön, wobei ich natürlich - ich - natürlich billigend davon ausgehen konnte, dass diese privaten Kontakte nicht ganz unbeobachtet geblieben sind, klar, aber, Gott, das war in dem Staat fast normal, also da hab ich, ich hab da keine Probleme mit gehabt irgendwie. Ja, so war das mit Peter Claussen und wir haben dann einiges zusammen gemacht, natürlich immer mit Lücken, mit größeren Abständen auch, weil ja die Ausstellungen, nicht jedes Jahr gab's ja eine USA-Ausstellung. Aber ich kann mich eben an bedeutende Ausstellungen erinnern und es mag sein, dass dabei, die ich jetzt nenne, also auf jeden Fall Imogen Cunningham, diese Fotografin, die hab ich mit Peter Claussen zusammen gemacht, in der Fotogalerie am Helsinforser Platz, das ist da an der Warschauer Brücke in der Nähe, gibt's heute auch noch, kleiner, aber dann waren Ausstellungen dabei wie Randy Lee White, The Paintings of the Plain Indians, glaube ich jedenfalls, wunderschöne Ausstellung in der Galerie am Weidendamm in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstrasse. Denn vor Peter Claussen waren ja einige andere da, also ich kann mich an einige erinnern, aber nehmen Sie's mir nicht übel, die Namen sind mir natürlich, Ann Smith war dabei, ich weiss noch, aber, pfff, keine Ahnung. Dann haben wir eine große Ausstellung in der Alten Nationalgalerie gemacht: „Der amerikanische Impressionismus" - es war eine wunderschöne, das war die größte eigentlich, die wir dann gemacht haben, die füllte ja fast das ganze Obergeschoss der Alten Nationalgalerie und das war ‘ne sehr bedeutende Ausstellung, aber ich muss mich wiederholen, es war, ich weiss nicht, was ich mit Peter Claussen außer dieser Fotoausstellung zusammen konkret gemacht habe.
Wie er den 9. November 1989 erlebte Video
Den 9. November, ja. Also, das ist ‘ne sehr kuriose Geschichte, ich meine, ob Sie das jetzt drinlassen oder rausschneiden, aber es ist höchst kurios. Am 9. November war ich am Abend in Leipzig und habe zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten von NRW, Johannes Rau, die Kulturtage Nordrhein-Westfalens in der DDR eröffnet. Und da wusste kein Mensch, wenn wir nach Berlin zurückfahren, dass abends dieser Staat quasi aufhört zu existieren, zwar noch nicht richtig, aber doch. Das zweite war, das muss ich mal sagen, damit Sie dann verstehen, warum ich das dann sage, ich war natürlich durch meine Funktion in der DDR, in der Kulturpolitik der DDR, also als eine untergeordnete Einrichtundg des Kulturministeriums, privilegiert. Das muss ich einfach so sagen. Ich konnte reisen, aber einfach deswegen, um mir alle Ausstellungen, die ich bearbeitet habe, dann mit meinem Mitarbeiterstab natürlich, vorher anzuschauen und alle Fragen zu klären wie Drucksachen, Kataloge, Transport usw. usw. Also ich war in einer privilegierten Stellung. Für mich war jetzt der Besuch in einem westlichen Land oder auch in Westberlin nichts Neues mehr. Ich kannte das. Aus dieser Kenntnis kann es sein, dass ich vielleicht manchmal etwas „über den Dingen stand", nicht überheblich, aber für mich war es nichts neues. Aber der Fakt, dass diese Mauer dann weg war am 9. November, das war natürlich für mich wie für, ich sag mal jetzt 16 999 000 genauso erfreulich, begeisternd oder wie auch immer, denn so konnte meine Familie mit mir am nächsten Tag dann, natürlich sind wir schon einfach zu unseren Freunden nach Westberlin fahren und wir konnten dort zum Italiener gehen und was weiss ich. Hat sich natürlich im Laufe der 20 Jahre jetzt alles etwas beruhigt oder sehr beruhigt, aber es war für mich ein Tag und für meine Frau und für unseren Sohn auch, der also tiefer Einschnitt positiver Art war.
Hat er den Fall der Mauer vorausgesehen? Video
Es ist kein Erlebnis auf einem Punkt. Es ist ein Erleben, das sich dann allmählich aufgebaut hat. Dieses Erleben begann schon in der Arbeit, indem man diese, ich muss es mal so sagen, ohne jemandem zu nahe zu treten, in der Verknöchertheit der Leute, die in der Kulturpolitik die Verantwortung trugen, die immer immer missmutiger, immer ablehnender, immer immer ignoranter wurden, die einfach nach der Perestroika in Russland nicht sahen, dass auch in diesem Land eine Änderung anstehen muss. Das zweite war, wenn ich durch die DDR reiste um an anderen Orten Ausstellungen zu bauen und zu sehen, sah man vom Zug oder vom Auto aus wie dieses Land in sich zusammenbrach, an den Häusern in den Städten, an den Industriegebieten wie bei Bitterfeld, wo also die großen Chemiefabriken standen, man hat gesehen, dass dieses Land, es war eh grau und es wurde immer grauer, nicht die Menschen unbedingt, ich muss es auch so sagen, wir waren nicht unglücklich irgendwie, aber man sah in seiner Umgebung, es kann mit diesem Land nicht mehr so weitergehen und es wird die Kirche machte immer mehr Aktivitäten in der Umweltpolitik, es erschienen mehr und mehr Romane, Literatur, die sich damit beschäftigte. Und ich hab bei mir gedacht und auch wir im Freundeskreis, also wir werden, wir diskutierten mit Freunden von der damaligen Ständigen Vertretung der Bundesrepublik, mit denen wir heute noch befreundet sind und die konnten am 26. Oktober 89, als der Geburtstag meiner Frau war, noch nicht glauben, dass dieser Staat einmal zu Ende geht und vier Wochen oder, quatsch, zwei Wochen später war Feierabend. Ich hab's nicht kommen sehen, das wäre jetzt Blödsinn, aber ich hab‘s kommen sehen, dass über eine kurzfristige Zeit es so nicht mehr weitergeht, weil er war marode. Es ist das, z.B. war eine bedeutende Ausstellung aus den USA, diese Lithographien waren auch in Greifswald zu sehen bei der Universität, da wurde der gesamte Innenstadtkern Greifswalds wurde gesperrt, weil der amerikanische Botschafter kam, also die Polizei hat alles abgeriegelt rundherum, was ich so blöde fand. Aber gut. Die Leute fanden das natürlich in Greifswald auch nicht besonders toll und das war so ein Punkt, wo ich dachte, man kann nicht ewig ein Volk einsperren. Das geht nicht. Und Greifswald war ja eine Stadt, eine wunderschöne , ich weiss nicht, ob Sie sie kennen, aber wenn Sie sie kennen, ist ja wunderschöne alte Bausubstanz, Architektur und wir haben in der DDR dann so scherzhaft zu uns gesagt: „Ruinen schaffen ohne Waffen" und da waren wir auf dem besten Weg. Also, ich hab's nicht auf den Punkt kommen sehen, aber ich und Freunde mit mir waren der Meinung, dass das irgendwann ein schnelles Ende haben wird, hat's ja auch.