Remarks at the post-election breakfast (Berlin, November 5)
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
das Wahlfrühstück der amerikanischen Botschaft am Ende einer langen Wahlnacht hat Tradition. Amerikanische und deutsche Experten werden für uns die Präsidentschaftswahl analysieren und die Ziele der neue Administration diskutieren. Die heutige Veranstaltung ist in Kooperation entstanden mit zwei Partnern, deren Expertise und Arbeit wir außerordentlich schätzen. Ich möchte mich bei der DGAP und dem German Marshall Fund ganz herzlich für die gelungene Kooperation bei unserer Wahlnacht, die sämtliche Rekorde brach, und beim heutigen Frühstück bedanken. Mein Dank gilt auch der Deutschen Telekom, insbesondere Herrn Ropers und seinem Team, die beide Veranstaltungen möglich gemacht haben. Wir fühlen uns in Ihren Räumen sehr wohl.
Die Tatsache, dass so viele von Ihnen zu dieser frühen Morgenstunde den Weg zu uns gefunden haben, unterstreicht das außerordentlich große Interesse an der Präsidentenwahl 2008. Es überrascht mich keineswegs, denn dieses Interesse haben wir über das ganze Jahr hindurch in unseren Veranstaltungen verfolgen können.
Unser Wahlfrühstück steht für das Ende eines außergewöhnlichen Wahljahres. Schon die Vorwahlen fanden ein großes Echo auf dieser Seite des Atlantiks. So spannend war es noch nie, ist der Eindruck vieler Beobachter. So viel Interesse an unserem selbst für Amerikaner oft schwer verständlichen Vorwahl- und Wahlsystem hat uns sehr gefreut. Schüler, Lehrer, Vertreter des politischen und kulturellen Berlin und der Presse kamen in großer Zahl zu Veranstaltungen innerhalb unserer U.S. Embassy Election Series, die wir im Januar diesen Jahres begannen.
Unsere Themenbreite war gewaltig: Wir haben Experten geladen, die die Wahl aus jedem Blickwinkel betrachtet haben. Außenpolitische Hürden galt es zu überwinden. Wirtschaftliche Entwicklungen haben den Fokus dieser Wahl verschoben, und gesellschaftliche Entwicklungen innerhalb der Vereinigten Staaten sind zum globalen Thema geworden.
Wir stehen an einer Wegscheide. Die neue Administration ist konfrontiert mit Entwicklungen, die an Dynamik stark zugenommen haben. Sie wird Weichen stellen, die die Lebensbedingungen zukünftiger Generationen in politischer, wirtschaftlicher und umweltpolitischer Hinsicht prägen werden . Dies sind große Aufgaben, denen sich der neue Präsident, aber auch der Einzelne in den USA und in allen Teilen der Welt stellen muss.
Für mich setzt diese Präsidentschaftswahl ein Zeichen. Die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger haben in großer Zahl ihr Wahlrecht in Anspruch genommen. Sie haben bewiesen, dass die Vereinigten Staaten eine robuste Demokratie sind. Beide Kandidaten, Senator McCain und Senator Obama, stehen für den Wandel.
Senator Obama personifiziert geradezu den Wandel. Als Sohn eines kenianischen Austauschstudenten und einer jungen weißen Amerikanerin aus Kentucky hat er es ins höchste Amt unseres Landes geschafft. Er ist damit Teil des amerikanischen Traums, der zwar nicht immer für alle in Erfüllung geht, der aber als Antriebskraft viele Bürger beflügelt, Eigenverantwortung zu übernehmen. Besonders Neuankömmlinge und Immigranten in unserem Land arbeiten zielstrebig darauf hin, dass ihre Kinder eine bessere Zukunft und einen festen Platz in der amerikanischen Gesellschaft haben. Senator Obama zeigt, dass Rassenschranken in unserem Land überwunden wurden, wie Martin Luther King es vor über 40 Jahren beschrieben hat:
Quote: “I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character. […]
I have a dream that one day […] little black boys and black girls will be able to join hands with little white boys and white girls and walk together as sisters and brothers.”
Und doch, auch im Jahre 2008 gilt es Hürden zu überwinden. Senator Obama sieht sich als Präsident aller Amerikaner. Große Hoffnungen liegen auf ihm, große Bürden wird er tragen müssen. Doch heute sollten wir uns mit ihm und dem amerikanischen Volk freuen. Es war eine aufregende Wahl, und die ganze Welt konnte dabei zusehen. Diese Wahl war Inspiration besonders für die Jugend, die sich in nie gekannter Zahl engagiert hat. Ich hoffe, dass dieses Signal der Jugend, die ihre Zukunft tatkräftig in die Hand nimmt, über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus junge Menschen in der ganzen Welt motiviert, für Frieden und Freiheit, für das Wahlrecht, die Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit einzustehen.
Ein Projekt in unserer Election Series hat mich besonders beeindruckt. Gestern morgen habe ich zu einer Gruppe von 180 Lehrern und Schülern aus Berlin und Brandenburg gesprochen. Sie kamen zum Roten Rathaus, um uns die Ergebnisses eines Schulprojekts zu präsentieren, das wir zusammen mit dem Landesinstitut für Schule und Medien entwickelt haben. Diese jungen Leute haben mehrere Wochen lang das Wahlsystem der Vereinigten Staaten studiert, haben am Beispiel eines Staates die Wahlthemen der Kandidaten erarbeitet und dann eine Prognose erstellt, wie die Bürger ihres Adoptivstaates wählen würden. Sie haben es sich nicht einfach gemacht, indem sie ihren eigenen Favoriten bevorzugten. Statt dessen haben sie im intensiven Studium versucht, die Beweggründe der amerikanischen Bürger nachzuvollziehen, haben sich in die Materie vertieft und sich intellektuell mit der Präsidentschaftswahl auseinandergesetzt. Es würde mich nicht überraschen, wenn einige dieser kreativen und höchst motivierten Schülern in einigen Jahren sehr viel Geld als Wahlanalyst oder spindoctor verdienen würden!
Gerade junge Menschen in diesem und vielen anderen Ländern haben eine recht kritische Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten. Projekte wie dieses helfen, uns besser zu verstehen. Sie sind enorm wichtig. In diesem Sinne ist die Präsidentschaftswahl die beste Public Diplomacy gewesen, die wir uns wünschen konnten.
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse, freue mich auf weitere, enge Zusammenarbeit und bin gespannt darauf, was unsere Experten uns heute mit auf den Weg geben.
Vielen Dank!


